Patienteninfos mit Video

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge

Sektionen
Automatischer implantierbarer Defibrillator
Sie sind hier: Startseite / Herz- und Thoraxchirurgie / Patienteninfos mit Video / Automatischer implantierbarer Defibrillator

Automatischer implantierbarer Defibrillator

Der AICD ist ein spezielles Aggregat, das abnormal schnelle Herzrhythmen erkennt und behandelt. Durch die Abgabe eines elektrischen Schocks mit hoher Energie kann der normale Herzrhythmus wiederhergestellt werden. Das AICD-System besteht normalerweise aus einem implantierten Impulsgenerator und einer oder mehrerer Elektroden.

Indikation:

  • Folgende Patienten sollten ein AICD-System implantiert bekommen: Patienten mit mindestens einer Episode von ventrikulärer Tachykardie oder Kammerflimmern
  • Patienten mit Herzstillstand, bei dem der Patient durch den gefährlichen Herzrhythmus das Bewußtsein verloren hatte
  • Patienten mit schnellen Herzrhythmen, die immer wieder auftreten und zum Tode führen könnten.
  • Patienten mit einer Tachyarrhythmie, die medikamentös nicht kontrolliert werden kann.
  • Patienten mit schweren Nebenwirkungen bei medikamentöser Therapie
  • Patienten mit schnellem Herzrhythmus, der durch einen chirurgischen Eingriff nicht behoben werden kann.

Der normale Herzrhythmus und Herzrhythmusstörungen:

Das Herz pumpt mit jedem Schlag sauerstoffreiches sowie nährstoffreiches Blut durch den Körper. Das Herz kann nur deshalb schlagen, weil es selbst elektrische Impulse erzeugt. Diese Impulse wandern durch den Herzmuskel und stimulieren ihn so, daß er sich zusammenzieht. Normalerweise kommen diese Impulse aus einem kleinen Areal des Herzens, der Sinusknoten genannt wird. Der Sinusknoten befindet sich an der Einmündung der oberen Hohlvene in dem rechten Vorhof. Wenn der Sinusknoten Signale an die Vorhöfe abgibt, ziehen diese sich gleichzeitig zusammen. Dies führt dazu, daß die Herzkammern mit Blut gefüllt werden. Der Impuls wandert dann weiter zu den Herzkammern und bewirkt, daß diese sich ebenfalls zusammenziehen. Dies erzeugt einen Herzschlag. Nach einer kurzen Pause beginnt dieser Zyklus von Neuem. Unregelmäßigkeiten in dem elektrischen System des Herzens führen zu einem abnormalen, unregelmäßigen Herzschlag, der Arrhythmie genannt wird. Arrhythmien können ihrerseits dazu führen, daß das Herz nicht genug Blut durch den Körper pumpen kann. Arrhythmien, die mit einem AICD behandelt werden können, sind die sogenannte ventrikuläre Tachykardie sowie das Kammerflimmern und eine Bradykardie.

Ventrikuläre Tachykardie:

Wenn die elektrischen Signale des Herzens anstatt vom Sinusknoten von einem Bereich in einer Herzkammer kommen, wird diese Form der Arrhythmie ventrikuläre Tachykardie (VT) genannt. Die elektrischen Signale laufen nicht auf dem Weg durch das Herz, welches sich dadurch nicht auf die normale Art und Weise zusammenziehen kann. Wenn das Herz immer schneller schlägt, wird immer weniger Blut durch den Kreislauf gepumpt. Es ist nicht genügend Zeit vorhanden, damit sich das Herz zwischen den Schlägen wieder mit Blut füllen kann. Wenn dieser schnelle Herzschlag anhält, kann es sein, daß das Gehirn und der Körper nicht mehr genug Blut und Sauerstoff erhalten. Eine mangelnde Durchblutung des Gehirns führt zu Bewußtseinsstörungen, vorübergehenden Sehstörungen und Schwindelgefühlen. Im schlimmsten Fall tritt eine Bewußtlosigkeit ein. Diese abnormal schnellen Herzrhythmen können manchmal mit Medikamenten behandelt oder sogar verhindert werden. Kommt es jedoch zu schweren Nebenwirkungen bei medikamentöser Therapie, können elektronische Geräte zur Behandlung eingesetzt werden. Elektrische Impulse, die an das Herz abgegeben werden, können den Herzschlag auf eine normalen Rhythmus verlangsamen. Dies ermöglicht es dem Sinusknoten, wieder die Kontrolle zu übernehmen.

Kammerflimmern:

Eine weitere Art der Arrhythmie ist das Kammerflimmern. Es handelt sich um eine unkoordinierte Herzmuskeltätigkeit mit Flimmerwellen im EKG. Die Herzfrequenz liegt dabei über 300 Schläge/Min. Das Kammerflimmern entsteht durch mehrfache unkoordinierte elektrische Signale, die von mehreren Bereichen der Herzkammern ausgehen. Das Herz schlägt so schnell, daß es überhaupt kein Blut mehr durch den Kreislauf pumpen kann. Bei Eintritt des Kammerflimmerns wird der Patient sofort bewußtlos und braucht sofortige ärztliche Hilfe, um zu überleben. Extrem schnelle und unregelmäßige ventrikuläre Arrhythmien können mit elektrischen Aggregaten, wie z.B. den externen Defibrillatoren, behandelt werden, wie sie von Notärzten verwendet werden. Der Defibrillator erzeugt einen elektrischen Schock. Dieser Schock stoppt die abnormalen Signale und ermöglicht es dem Sinusknoten, das Herz wieder mit einem normalen Rhythmus schlagen zu lassen. Wenn das Kammerflimmern oder eine ventrikuläre Tachykardie ohne Behandlung andauert, kann das Herz den Körper und vor allem das Gehirn nicht ausreichend mit sauerstoffgesättigtem Blut versorgen. Nach etwa 5 Minuten andauerndem Kammerflimmern kommt es zu einem irreversiblen Absterben des Gewebes des Gehirns.

Bradykardie:

Die normale Herzfrequenz eines gesunden Erwachsenen liegt zwischen 60 und 100/Min.. Schlägt das Herz zu langsam, so kann es zu einer Minderdurchblutung des Gehirns und des Körpers führen. Dies kann geschehen, wenn der Sinusknoten nicht richtig arbeitet oder ein sog. Herzblock besteht. Hierbei können die natürlichen Schrittmachersignale, die vom Sinusknoten ausgesendet werden, nicht oder nur verzögert in die Herzkammer gelangen. Während einer Bradykardie kontrahieren die Kammern des Herzens nicht oft genug, um den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen. Hierbei kann es zu einem Müdigkeitsgefühl, Schwindelanfällen oder Bewußtlosigkeit kommen.

Der automatische implantierbare Defibrillator (AICD):

Der AICD ist wie ein kleiner Computer, der mit einer Batterie betrieben wird. Er kann die elektrischen Funktionen des Herzens überwachen und das Aggregat anweisen, elektrische Energie abzugeben, wenn eine Arrhythmie, eine Tachykardie oder eine Bradykardie festgestellt wird. Der Speicher im AICD enthält Informationen, wie sich das Herz vor, während und nach der Episode verhält, während das Aggregat eine Arrhythmie entdeckt hat. Einige AICDs speichern eine Abbildung oder ein Elektrogramm der Arrhythmie und der Therapie, die das Aggregat verwendet hat, um die Arrhythmie zu behandeln. Dies ermöglicht es dem Arzt, die Herzrhythmusstörungen besser zu bewerten. Außerdem kann der Arzt im nachhinein feststellen, ob die programmierte Behandlungsweise erfolgreich ist.

Das Elektrodensystem:

Die Elektroden sind isolierte Drähte, die das Herzsignal an den AICD leiten. Außerdem leiten sie die Energie vom AICD an das Herz. Die Elektroden, die im Herz plaziert werden, heißen endokardiale oder transvenöse Elektroden und gelangen durch eine Vene im oberen Brustbereich in das Herz.

Das Programmiergerät:

Das Programmiergerät kommuniziert mit dem AICD-System mittels Funkfrequenzsignalen. Der Arzt verwendet das Programmiergerät, um den AICD zu programmieren und zu testen, nachdem er implantiert wurde, und kurz bevor sie aus dem Krankenhaus entlassen werden. Während der routinemäßigen Kontrolltermine und Nachsorge fragt das Programmiergerät die seit dem letzten Besuch im AICD gespeicherten Daten ab.

Die Funktion des AICD-Systems:

Wenn das AICD-System feststellt, daß ein Rhythmus schneller, langsamer oder verschieden von ihrem normalen Rhythmus ist, überprüft er, ob der Rhythmus behandelt werden sollte. Auf der Basis der vom Arzt programmierten Werte gibt das Aggregat seine Therapie ab. Dies kann zwischen wenigen Sekunden und ein paar Minuten dauern. Die Dauer hängt von der Art des entdeckten Rhythmus ab, und wie dieser im Vergleich mit den programmierten Einstellungen aussieht. Im Prinzip gibt es vier verschiedene Therapieformen:

Antitachykardie-Stimulation: Wenn die Arrhythmie regelmäßig, aber schnell ist, kann das AICD-System eine Reihe kleiner, schneller elektrischer Stimulationsimpulse abgeben, sie werden verwendet, um die Arrhythmie zu unterbrechen und um das Herz in den normalen Rhythmus zurückzuführen.

Defibrillation: Bei Arrhythmien, die sehr schnell und unregelmäßig sind, können Hochenergieschocks verwendet werden, um die Arrhythmie zu beenden, und um das Herz in den normalen Rhythmus zurückkehren zu lassen.

Kardioversion: Wenn die Arrhythmie regelmäßig, aber sehr schnell ist, kann das AICD-System einen stärkeren elektrischen Impuls oder Schock abgeben. Dies kann die Arrhythmie beenden und das Herz in den normalen Rhythmus zurückführen.

Bradykardie-Stimulation: Wenn das Herz zu langsam schlägt, kann das AICD-System das Herz mit der Normalfrequenz stimulieren. Im Unterschied zu einem normalen Herzschrittmacher, der nur dazu gedacht ist, Patienten mit langsamen Herzfrequenzen zu stimulieren, kann das AICD-System sowohl langsame als auch schnelle Arrhythmien behandeln.

Die AICD-Therapie-Abgabe:

Das AICD-System beobachtet das Herz ständig und wartet darauf, ob eine Arrhythmie auftritt. Wenn eine Arrhythmie entdeckt wird, bestimmt der AICD automatisch, welche Art Therapie notwendig ist und sorgt für die entsprechende Therapieabgabe. Je nachdem, welcher Rhythmus vom Aggregat festgestellt wird, wird eine Antitachykardiestimulation, Kardioversion, Defibrillation oder antibradykarde Behandlung verwendet. Patienten mit abnormalen Herzrhythmen können während ihrer Arrhythmie ungewöhnliche Gefühle und Wahrnehmungen erleben. Nicht jeder spürt eine Arrhythmie. Der AICD gibt auf der Basis dessen, was er wahrnimmt, die Therapie ab, auch wenn der Patient keine Symptome fühlen sollte. Es kann jedoch sein, daß der Patient während der Behandlung etwas spürt. Diese Wahrnehmungen sind auf verschiedene Weise beschrieben worden: 1. Defibrillation: Viele Patienten werden kurz nach Beginn einer ventrikulären Tachykardie oder eines Kammerflimmerns bewußtlos. Daher fühlen diese Patienten die vom AICD abgegebenen Hochenergieschocks nicht. Diejenigen Patienten, die bei Bewußtsein sind, beschreiben den Schock wie einen Tritt vor die Brust. Während vielen Patienten der Schock ein Gefühl der Sicherheit gibt, sind manche Patienten für eine kurze Zeit nach der Schockabgabe verstört. 2. Kardioversion: Diese Schocks mit niedrigerer Energie sind stärker als Stimulationsimpulse. Viele Patienten sagen, daß die Kardioversion ein wenig unangenehm ist, wie ein Stoß auf die Brust. 3. Antitachykardie-Stimulation: Die meisten Patienten nehmen die Stimulationstherapie nicht wahr. 4. Bradykardie-Stimulation: Diese Stimulationsimpulse haben eine sehr geringe Energie, und die Patienten fühlen sie normalerweise nicht.

Die Implantation des AICD-Systems:

Hierbei handelt es sich um einen Routineeingriff, der in den meisten Fällen etwa eine Stunde lang dauert. Der Eingriff wird unter Vollnarkose durchgeführt. Die Mehrzahl der Implantationen sind endokardiale Eingriffe. Der Arzt führt die Elektrode normalerweise über die linke Schlüsselbeinvene in das Herz ein. Das AICD-Aggregat wird unter dem Brustmuskel plaziert. Die Spitze der Elektrode liegt direkt an der inneren Herzwand an. Einige Patienten benötigen eine zusätzliche Elektrode. Diese Elektroden können direkt unter der Haut nahe dem Brustkorb durch einen kleinen Einschnitt an der linken Seite plaziert werden. Nachdem die Elektroden plaziert wurden, werden sie getestet, um sicherzustellen, dass sie ihre Herzsignale deutlich wahrnehmen. Die Elektroden werden dann fixiert und an das AICD-Aggregat angeschlossen. Während der Operation wird das AICD-System getestet, um sicherzustellen, daß es richtig funktioniert. Während dieses Tests löst der Arzt eine Arrhythmie im Herzen aus und ermöglicht es dem Aggregat, den Rhythmus zu erkennen und das programmierte Behandlungsschema abzugeben. Nach der Operation kommt der Patient für einen Tag auf eine Intensivstation, damit der Patient postoperativ optimal überwacht werden kann. Bevor der Patient das Krankenhaus verläßt, wird das AICD-System noch einmal getestet.