Patienteninfos mit Video

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Vor einer Herztransplantation

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,

Sie haben sich in unserer Klinik vorgestellt, um mit uns die Frage zu klären, ob eine Herztransplantation die richtige Behandlung für Ihre Erkrankung und in Ihrer Situation sein kann. Es soll weiterhin geklärt werden, ob eine andere Therapie in Ihrem speziellen Fall möglich wäre. Organtransplantation bedeutet die Verpflanzung von einem gesunden Organ eines toten Spenders in einen kranken Menschen. Eine solche Operation wird erst dann erwogen, wenn alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind.

Wir möchten Ihnen mit diesem Informationsblatt prinzipiell alles erklären, was Sie wissen sollten, bevor Sie sich zu einer Organverpflanzung entschließen. Es gibt eine Organisation in den Niederlanden (Leiden), die Eurotransplant heißt und für die gerechte Verteilung aller Organspenden aus der BRD, Österreich und den Benelux-Ländern zuständig ist. Für die Herztransplantationen wird bei der Auswahl der Empfänger, also der Personen, die das angebotenen Organ erhalten, nur auf Körpergröße, Gewicht und die einfache Blutgruppe (ABO-System) geachtet. Als weiteres Kriterium kommt die Wartezeit hinzu. Das heißt: Ein Patient, der schon lange wartet, wird bei der Organvergabe vorgezogen.

Bevor wir Sie auf unsere Warteliste für die Herztransplantation aufnehmen, müssen wir, oder eine andere Klinik in unserem Auftrag, Sie einmal gründlich durchuntersuchen, was meistens einen kurzen stationären Aufenthalt erforderlich macht. Wenn wir dann mit Ihnen zusammen zu dem Entschluß kommen, daß eine Herztransplantation für Sie in Frage kommt, werden wir Ihre Daten der Transplantationszentrale in Leiden melden und Sie damit auf die Warteliste unserer herzchirurgischen Klinik setzen. Wenn dann ein passendes Organangebot für Sie kommt, würde Eurotransplant uns anrufen, und wir würden alles weitere veranlassen.

Patienten, die auf der aktiven Warteliste stehen, müssen für uns immer erreichbar sein und innerhalb von einer Stunde zu jeder Tages- und Nachtzeit in der Universitätsklinik Köln eintreffen können. Das bedeutet, daß Sie, wenn Sie weit entfernt wohnen, die Wartezeit möglicherweise in einem Kölner Krankenhaus verbringen müssen. Wenn Sie kein Telefon haben, oder es nicht gewährleistet ist, daß Sie immer zu Hause sind, empfehlen wir eventuell die Anschaffung eines Handys, City-Funkgerätes oder ähnliches (s.u.).

Die durchschnittliche Wartezeit beträgt momentan etwa acht Monate. Es ist möglich, daß ein Organangebot gleich am nächsten Tag, oder erst nach einem Jahr, für Sie kommt. Sie müssen dann auf dem schnellsten Wege in die herzchirurgische Klinik Köln kommen. Der Transport wird von unserer Klinik aus für Sie organisiert.

Falls ein Angebot für Sie da ist und Sie in unserer Klinik eingetroffen sind, geht es folgendermaßen weiter:

Sie werden von unserem Personal auf der Station 15 A oder B in Empfang genommen und für die Operation vorbereitet. Dazu gehört, daß man Sie rasiert, Blutentnahmen vornimmt, eventuell eine weitere Röntgenaufnahme Ihres Brustkorbes durchführt, Ihnen Medikamente gibt und ein Narkosearzt mit Ihnen spricht. Sie werden dann in unseren Operationstrakt gefahren und dort von den Operationsschwestern und - Pflegern in Empfang genommen. Während der Organisation Ihrer Transplantation kann es immer wieder zu Momenten kommen, in denen alles sehr schnell gehen muß und mehrere Personen gleichzeitig an Ihnen arbeiten. Es kann dann auch wiederum zu langen Wartezeiten kommen. Dies ist dadurch bedingt, daß das Organ in einer möglichst kurzen Zeit vom Entnahmeort nach Köln transportiert werden muß. In dem Moment, in dem das Organ hier in der herzchirurgischen Klinik ankommt, müssen Sie sich schon optimal vorbereitet in unseren Operationsräumen befinden. Erst wenn sich unser Entnahmeteam von der guten Qualität des Spenderorgans überzeugt hat, beginnen wir mit der Narkose.

Es kann während der gesamten Vorbereitungszeit einschließlich der Narkoseeinleitung dazu kommen, daß die Operation abgesagt werden muß, wenn das Organ, aus welchen Gründen auch immer, unseren Ansprüchen nicht entspricht.

Wenn die Transplantation durchgeführt werden kann, bekommen Sie einen Tropf gelegt, erhalten eine Injektion und werden einschlafen.

Eine Herztransplantation dauert mehrere Stunden: die Brustwand wird längs durch das Brustbein eröffnet, der Blutkreislauf an die Herz-Lungenmaschine (übernimmt die Herz- und Lungenfunktion) angeschlossen und das Herz ruhiggestellt. Dann erfolgt die Organverpflanzung. Das Brustbein wird am Ende der Operation mit Drähten verschlossen. Die Narbe wird etwa 30 cm lang sein. Nach dem Eingriff werden Sie meistens nur für kurze Zeit auf unserer Intensivstation verbleiben, um die Herz-, Lungen- und Kreislaufsituation zu überwachen. Hier werden Sie auch wieder aufwachen. Anfangs hilft Ihnen ein Beatmungsgerät bei der Atmung, später atmen Sie immer mehr selbständig, so daß wir dann den Schlauch in der Luftröhre; über den Sie beatmet wurden, entfernen können. Damit können Sie auch wieder sprechen. Alle anderen Schläuche (Drainagen zum Absaugen von Wundsekret, Zentrale Venenzugänge für Infusionen, etc.) mit denen wir Sie bei der Operation versehen haben, werden wir nach und nach ebenfalls entfernen. Sie werden keine Schmerzen haben, da wir Ihnen ausreichend Schmerzmittel verabreichen. Auf der Intensivstation betreut Sie eine Schwester oder ein Pfleger in drei Acht-Stunden-Schichten. Alle Menschen in Ihrer Umgebung werden Mundschutz und Handschuhe tragen, um Sie vor Infektionen zu schützen.

Wenn es zu keinen Komplikationen kommt, werden Sie nach wenigen Tagen auf unsere Normalstation 15 A oder 15 B in ein Einzelzimmer verlegt. Hier werden Sie zwei bis vier Wochen, je nach Verlauf, verbringen. Sie haben Zeit für Krankengymnastik und werden lernen, mit den neuen Medikamenten umzugehen.

Wir empfehlen im Anschluß an unsere stationäre Behandlung eine speziell auf Ihre Operation abgestimmte Rehabilitation für weitere drei bis vier Wochen in entsprechenden Reha-Kliniken im Umkreis von Köln. Anschließend werden Sie nach Hause entlassen.

Es erfolgen nun engmaschige Kontrollen in unserer HTX-Ambulanz. Im ersten Vierteljahr kommen Sie bis zu einmal wöchentlich in unsere Ambulanz, wo wir verschiedene Untersuchungen wie Blutentnahmen, Röntgenbild, EKG, Echokardiographie und eine körperliche Untersuchung durchführen werden. Es werden dabei auch die Medikamenteneinnahmen besprochen. Der Zeitraum zwischen den Untersuchungen wird dann immer größer bis zu vierteljährlichen Untersuchungen bei "Alttransplantierten".

Ein Problem, mit dem Sie nach der Transplantation immer konfrontiert sein werden, ist die sogenannte Organabstoßung. Jeder Körper hat sein eigenes Abwehrsystem, das ihn normalerweise vor fremden Stoffen und "Angreifern", wie Bakterien und Viren schützt. Der Körper ist in der Lage, eigen und fremd zu unterscheiden. Dieses Abwehrsystem wird Immunsystem genannt. Bei der Organtransplantation verpflanzt man ein fremdes Organ in Ihren Körper. Ihr Körper erkennt dieses Organ unweigerlich als fremd und beginnt, es zu bekämpfen. Dies nennt man Transplantat-Abstoßungsreaktion. Um dies zu verhindern, geben wir Ihnen vorbeugende Medikamente, die Ihr Immunsystem leicht schwächen und damit eine derartige Reaktion verhindern. Wir geben eine Kombination aus zwei- bis drei verschiedenen Medikamenten. Durch die Kombination können wir eine bestmögliche Wirkung mit möglichst wenigen Nebenwirkungen erzielen. Zumindest zwei dieser Medikamente müssen Sie lebenslang nehmen. Wenn Sie die Medikamente nicht regelmäßig einnehmen, kann es zu einer Abstoßungsreaktion kommen, welche im Extremfall zum Herzversagen führen kann.

Ein herztransplantierter Patient hat im Durchschnitt in den ersten sechs Monaten nach der Operation trotz der vorbeugenden Medikamente mindestens eine leichte Abstoßungsreaktion, die zusätzlich behandelt werden muß und behandelt werden kann. Einige Patienten haben nie Abstoßungsreaktionen, andere wiederum sehr viele.

Die Gabe von abwehrschwächenden Medikamenten hat aber auch den Nachteil, daß Sie anfälliger für ansteckende Krankheiten und Infektionen sind. Wir empfehlen deshalb einige Hygienemaßnahmen:

Wir raten davon ab Katzen und Vögel im Wohnbereich zu halten. Ebenso sollten Sie in der ersten Zeit nach der Operation (sechs Monate) engen Tierkontakt vermeiden. Der Grund: Es besteht die Möglichkeit der Übertragung von Krankheiten

Sie sollten keine Topfpflanzen mit Erde im Wohnbereich halten, auch die Arbeit mit Kompost sollte unterbleiben, da sich in der Erde Pilzsporen befinden, welche bei Organtransplantierten Lungenentzündungen hervorrufen können. Hydrokulturen sind o.k..

Essen Sie nie rohes Fleisch, da sich auch hier Krankheitserreger befinden können. Obst, Gemüse und Salat immer gut waschen.

Sie müssen sich darauf einrichten, daß das erste halbe Jahr nach der Organtransplantation sehr turbulent ist und es möglicherweise häufiger zu Abstoßungsreaktionen oder Infektionen kommt, die eventuell auch einen stationären Aufenthalt in unserer Klinik erforderlich machen. Sie sollten daher bezüglich Ihrer Terminplanung sehr variabel sein. Nach einem halben Jahr wird dann langsam Ruhe einkehren.

Anmerkung zum City-Funk-Gerät, Handy (oder ähnliches): Dies ist ein Gerät, welches Sie immer bei sich tragen sollten, so daß wir Sie über Telefon bzw. Funkzentrale anwählen und damit jederzeit erreichen können.

Wenn das Funkgerät piept, sollten Sie sofort das nächste Telefon aufsuchen und uns kontaktieren unter der Nummer: 0221-478-6003 oder 0221-478-6004. Unter diesen Nummern ist der diensthabende Herzchirurg zu erreichen.

Funkgeräte werden von der Telekom verkauft oder verliehen. Sie müßten sich ein solches Gerät besorgen und mit Ihrer Krankenkasse sprechen, damit die entstehenden Kosten übernommen werden. Sie können von uns eine Bescheinigung über die medizinische Notwendigkeit dieser Anschaffung bekommen.

Wenn Sie das Gerät dann haben, rufen Sie uns an, teilen uns die Nummer mit (Herzinsuffizienzambulanz: 478-4157, Herzchirurgie 478-6043 oder 478-4674).

Ihr chirurgisches Herztransplantationsteam der Universität zu Köln

OA PD Dr. F. Kuhn-Régnier, OA PD Dr. T. Wittwer, Dr. J. Groetzner

Köln, im Oktober 2006