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Kinderherzchirurgie

Angeborene Herzfehler


Begriffsbestimmung:

Unter dem Begriff "angeborene Herzfehler" fasst man verschiedene Erkrankungen zusammen, die vor der Geburt durch eine Störung bei der Entwicklung des Herzens zustande kommen. Ein solcher Herzfehler kann bereits bei der Geburt offensichtlich sein, manchmal bleibt er jedoch jahrelang unbemerkt. Es gibt Herzfehler, die als einzelne Strukturfehler vorkommen, andere sind Teil eines komplexen Erscheinungsbildes. Von 1.000 Neugeborenen leiden acht unter irgendeiner Form von angeborenen Herzfehlern. Etwa ein Viertel dieser Kinder leidet noch unter einer anderen Erkrankung, unter anderem einer Reihe von Chromosomenanomalien (genetisch bedingte Erkrankungen). So haben zum Beispiel 30 bis 40 Prozent aller Kinder mit Down-Syndrom gleichzeitig einen angeborenen Herzfehler. Die Aussichten von Kindern mit angeborenem Herzfehler sind sehr unterschiedlich. Sie hängen von der Schwere der Krankheit sowie vom Zeitpunkt und Erfolg der Behandlung ab. Bei manchen sehr schweren Herzfehlern kann es, wenn nicht sehr schnell diagnostiziert und behandelt wird, kurz nach der Geburt zum Tod kommen. In den meisten Fällen ist der Defekt jedoch eher geringfügig, oder er kann durch eine Operation korrigiert werden, sodass das Kind ein langes und gesundes Leben mit wenigen oder gar keinen Einschränkungen führen kann.

Behandlung:
Die Behandlung ist je nach Art und Ausmaß des Herzfehlers, nach Alter und allgemeinem Gesundheitszustand des Kindes verschieden. Bei Kindern mit geringfügigen Herzfehlern ist oft überhaupt keine Behandlung notwendig. Bei schweren Herzfehlern muss man häufig sehr früh, noch im Säuglingsalter, operieren und das Kind auch später medizinisch betreuen. Von den diagnostizierten angeborenen Herzfehlern werden heute etwa 80 Prozent durch Operation oder interventionelle Therapieverfahren behandelt, während bei den übrigen 20 Prozent entweder eine spontane Heilung eintritt oder der Herzfehler inoperabel ist.

Bei schweren Herzfehlern muss oft bereits in den ersten Lebenswochen eine Herzkatheterisierung vorgenommen werden, damit man sich über Lage und Ausmaß des Herzfehlers klar werden kann. Die bemerkenswerten Fortschritte in der Kinderheilkunde und der Kinderherzchirurgie erlauben es inzwischen, chirurgische Eingriffe am Herzen bereits an Neugeborenen durchzuführen. In der Vergangenheit mussten sich Säuglinge mit komplizierten, aber korrigierbaren Herzfehler meist zwei oder mehreren Operationen unterziehen. Heute wird in vielen Spezialkliniken für Herzchirurgie nur noch eine einzige korrigierende Operation innerhalb des ersten Lebensjahres durchgeführt. Das Risiko, dass eine weitere Operation birgt, wird somit vermieden und der normale Ablauf von der Entwicklung, Wachstum und Aktivität eines Kindes wird nur einmal unterbrochen. Eine sogenannte Palliativoperation ist heute nur dann notwendig, wenn bei Neugeborenen beziehungsweise kleinen Säuglingen eine Korrekturoperation mit einem nicht vertretbaren Risiko verbunden ist beziehungsweise das Kind für die definitive Korrektur des Herzfehlers vorbereitet werden muss. Spätestens im Vorschulalter sollten heute die korrekturfähigen angeborenen Herz- und Gefäßfehler behoben sein.

Verfahren:
Größere Eingriffe am Herzen führt man bei ganz kleinen Kindern in der Kälte durch, unter sogenannter Hypothermie. Bei dieser Methode wird die Körpertemperatur mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine stark gesenkt. Dadurch verlangsamen sich alle Körpervorgänge, und der Sauerstoffverbrauch vermindert sich, sodass der Kreislauf sogar für Zeiten bis zu einer Stunde ruhen kann. Das Herz ist dabei inaktiv, und der Chirurg kann am ruhenden Herzen unter besseren Bedingungen arbeiten. Das Sichtfeld ist frei, und das Herzgewebe ist entspannt, sodass man auch komplexe Korrekturen an diesem wichtigen Organ durchführen kann, das bei Neugeborenen oft nur etwa die Größe einer Walnuss hat.

Kinder mit infektiöser Endokarditis behandelt man in aller Regel stationär mit Antibiotika. Ist das Kind sehr krank oder ist in letzter Zeit eine Herzoperation durchgeführt worden, beginnt man oft mit einer Antibiotikabehandlung, bevor man den Erreger durch Blutuntersuchungen genau identifiziert hat. Meist wird die Behandlung über 4 Wochen durchgeführt.

Kinder mit Herzfehlern müssen in der großen Mehrzahl keine Einschränkungen der körperlichen Aktivität in Kauf nehmen. Ein Arzt sollte festlegen, an welchen sportlichen Aktivitäten das Kind in der Schule teilnehmen darf. Man sollte die Kinder dazu veranlassen, ihre körperliche Leistungsfähigkeit auszuschöpfen und auch dem Schulsport nicht fern zu bleiben. Dabei können vielleicht anstrengendere Übungen weggelassen werden. Man sollte versuchen, einen Mittelweg zu finden, sodass die Kinder einerseits ausgelastet sind, andererseits aber nicht überfordert oder durch zu hohe Anforderungen in Verlegenheit gebracht werden. Meistens können Kinder mit Herzfehlern selbst feststellen, wie viel körperlich Aktivität sie sich zumuten können. Wenn sie ihre Grenzen erreicht haben, zwingt sie der Körper normalerweise zur Ruhe.

Das Selbstwertgefühl kann bei einem Kind, das eine Herzoperation hinter sich hat, gerade in seinen körperlichen Aspekten zu einem Problem werden. Man muss solchen Kindern dabei helfen, ein positives Bild von sich selbst zu entwickeln und für sie Situationen schaffen, die sie körperlich auch bewältigen können. Kinder mit Herzfehlern müssen in der Schule manchmal häufiger oder auch manchmal länger fernbleiben. Es kann schwierig sein, sie zu motivieren, trotzdem ihrer Schularbeit nachzukommen. Dies ist jedoch gerade für solche Kinder sehr wichtig, denn sie werden möglicherweise später nicht in der Lage sein, körperliche Arbeit zu verrichten, sodass sie eine gute Schulbildung für das Erlernen anderer Berufe brauchen.

Vorbeugung:
Die meisten angeborenen Herzfehler lassen sich nicht verhindern. Herzfehler, die durch eine Rötelninfektion der Mutter während der Schwangerschaft verursacht werden, kann man verhindern, wenn sich die Mutter mindestens drei Monate vor dem Beginn der Schwangerschaft impfen lässt. Auch die Vermeidung von Medikamenten, Strahleneinwirkung und Alkohol während der Schwangerschaft trägt dazu bei, das Risiko für die Entwicklung eines Herzfehlers bei einem ungeborenen Kind zu vermindern.

Bei Kindern mit einem angeborenen Herzfehler ist die Vorbeugung vor infektiöser Endokarditis von größter Bedeutung. Bei jedem Zahnarztbesuch und vor jedem chirurgischen Eingriff muss der behandelnde Arzt über den Zustand des Kindes genau informiert werden. Betroffene Kinder sollten vor und nach einem zahnmedizinischen oder chirurgischen Eingriff mit Antibiotika behandelt werden. Alle routinemäßigen zahnärztlichen Schuluntersuchungen sollten Kinder mit Herzfehlern nur nach Einnahme von Antibiotika teilnehmen.

Genetische Beratung ist eine Hilfe bei der Einschätzung des Risikos für die Geburt eines Kindes mit Herzfehler. Dies gilt vor allem für Paare, in denen ein Partner selbst einen angeborenen Herzfehler hat oder in deren Familien es Fälle von Down-Syndrom oder Muskelschwund gegeben hat.

Weitere Informationen vermittelt die
Selbsthilfegruppe Kinderherzstiftung in der Deutschen Herzstiftung e.V.
Vogtstraße 50
60322 Frankfurt am Main
Telefon: +49 69 955128-0
Telefax: +49 69 955128-313