Patienteninfos mit Video

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge

Sektionen
Sie sind hier: Startseite / Herz- und Thoraxchirurgie / Patienteninfos mit Video / Minimalinvasive Aortenklappenchirurgie

Minimalinvasive Aortenklappenchirurgie

Kathetergestützter Aortenklappenersatz
Ein neues Behandlungsverfahren im Herzzentrum des Universitätsklinikums Köln

 

 

Eine Vielzahl von Patienten entwickelt im höheren Lebensalter eine sog. Aortenklappenstenose. Hierunter versteht man eine Verengung der Aortenklappe, die den Blutstrom von der linken Herzkammer zur Hauptschlagader behindert. Charakteristisch für die Aortenklappenstenose ist die Verkalkung der Klappe, die in einer Einschränkung der Öffnungs- und Schließbewegung resultiert. Muss die Aortenklappe aus diesen Gründen ausgewechselt werden, so ist bisher die Operation mit dem Einsatz der Herz-Lungen-Maschine das hierfür angewandte langzeitig bewährte Operationsverfahren. Diese Operation wird mit großer Sicherheit bereits seit ca. 50 Jahren durchgeführt und auch die verwandten Herzklappenprothesen haben einen extrem hohen Qualitätsstandard erreicht.

tc_valves_248x163.jpg

Mit der zunehmenden Änderung der Demographie tritt bei sehr viel mehr Patienten im hohen Lebensalter eine behandlungsbedürftige Aortenklappenstenose auf. Verschiedene Studien zeigen, dass trotz des Fortschreitens der Krankheit nur etwa die Hälfte der symptomatischen Patienten in Europa einer Operation zugeführt werden, da oftmals die Patienten von ihrem behandelnden Arzt als zu krank eingestuft werden oder das Operationsrisiko, insbesondere bei den älteren und schwerkranken Patienten als zu hoch eingestuft wird.

 

DSC_0252.JPG

Seit etwa 3 Jahren haben wir sog. kathetergestützte Aortenklappen zur Verfügung, die entweder über die Gefäße (transfemoral) oder über einen kleinen Hautschnitt unter der linken Brustwarze (transapikal) ohne den Einsatz der Herz-Lungen-Maschine eingesetzt werden können. Die Herz- und Thoraxchirurgie sowie die Kardiologie haben sich sehr früh mit der Weiterentwicklung dieser Therapieform beschäftigt, so dass das Herzzentrum zu den führenden Institutionen in der Bundesrepublik mit dieser Behandlungsform gehört. Das Behandlungsverfahren wird derzeit bei all den Patienten zur Anwendung gebracht, die für eine konventionelle Herzoperation als zu alt, respektive zu krank eingestuft werden. Diese neue Behandlungsform kann nicht bei allen Patienten zur Anwendung gebracht werden, da wir derzeit leider noch keine Langzeitergebnisse mit den verwandten Klappen besitzen und zum anderen nach den ersten nationalen und internationalen Erhebungen das Operationsrisiko mit der neuen Operationstechnik als deutlich höher einzustufen ist. Zur Erläuterung sind für den Leser im weiteren die beiden Wege, wie die Klappen eingebracht werden, beschrieben.

 

untitled.bmpuntitled1.bmpuntitled2.bmp

Zwei Operationsverfahren werden eingesetzt:
Transapikal: Durch eine kleine Thorakotomie (5-6 cm) wird die Herzspitze freigelegt und der Katheter wird durch Punktion der Herzspitze in den Ventrikel eingeführt. Durch Injektion von Flüssigkeit in den Ballon wird die neue Klappe aufgefaltet, die erkrankte Aortenklappe dadurch nach außen verdrängt (Abb. 1 und 2). Die Prothese ist sofort einsatzbereit, nimmt ihre Klappentätigkeit auf und der Ballonkatheter wird entfernt (Abb. 3).

Transfemoral: Über eine durch chirurgische Freilegung der A. femoralis oder perkutan in die Arterie eingebrachte Schleuse wird retrograd (entgegen der Blutflussrichtung) ein Führungskatheter in die stenosierte Aortenklappe eingebracht und die Klappe durch eine Ballonvalvuloplastie gesprengt. Anschließend wird die auf einem weiteren Katheter montierte Stentklappe in ähnlicher Weise in der Aortenklappe positioniert und mittels Ballondilatation entfaltet (Abb. 4).

Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Verfahren besteht darin, dass der Weg durch das Gefäßsystem nur beschritten werden kann, wenn die Beckengefäße nachweislich einen gewissen Durchmesser nicht unterschreiten und wenn keine Ablagerungen an der Hauptschlagader besteht. In all diesen Fällen ist der transapikale Wege, d.h. der Weg durch die Herzspitze das bessere Verfahren, da hier keine Gefäßverletzungen oder Schlaganfälle zu befürchten sind.

SDC10920.JPG

 

Internationale Studienergebnisse:
Die bisherigen weltweiten Erfahrungen zum kathetergestützten Aortenklappenersatz zeigen, dass trotz der Schwere der Erkrankung bei den Untersuchten eine relativ geringe Mortalitätsrate zu beobachten ist. Im Mai 2009 wurden erstmals Daten eines groß angelegten Studienregisters (Source) präsentiert. Diese Daten basieren auf den Ergebnissen von 1038 Patienten, die zwischen November 2007 und November 2009 an 32 europäischen Herzzentrun behandelt wurden. Hier werden Überlebensraten von ca. 90% nach 30 Tagen und 1-Jahres-Überlebensraten von 70 bis 75% beschrieben. Langzeiterfahrungen liegen bis zu 3 Jahre vor, allerdings sind die untersuchten Patientenkollektive zahlenmäßig noch relativ klein.

Im Herzzentrum der Universitätsklinik zu Köln sind seit 2008 mehr als 180 Patienten mit einem mittleren Alter von ca. 83 Jahren kathetergestützt behandelt worden. Der Eingriff erfolgte minimal-invasiv unter Verzicht der Herz-Lungen-Maschine. Die Operationen werden von einem ausgewählten Team aus Kardiochirurgen, Kardiologen und Anästhesisten im Hybrid-Operations-Saal durchgeführt. Das Kölner Herzzentrum hat eine hervorragende Infrastruktur für derartige Eingriffe und bietet damit ideale Voraussetzungen diese minimal invasive Therapie weiterzuentwickeln und vielleicht bald als eine Routinemethode einzusetzen.

Zusammenfassung
Kathetergestützte Klappenimplantationen stellen für Hochrisikopatienten eine minimal-invasive Therapiealternative zum konventionellen Herzklappenersatz dar. Nichts desto trotz ist der normale Aortenklappenersatz für die meisten Patienten weiterhin die Therapie der Wahl, da dieser mit einem geringen Operationsrisiko durchgeführt werden kann und wir über ausgezeichnete Langzeitergebnisse zu den eingesetzten Klappen verfügen.

DSC_0255.JPG

Der kathetergestützte Klappenersatz wird für jeden einzelnen Patienten in einer Herzkonferenz diskutiert wenn ein spezielles Risikoprofil oder ein hohes Lebensalter die normale Operation als zu gefährlich erscheinen lassen. Bislang vorliegende Studien zeigen, dass die Lebensqualität und Lebensdauer der zuvor als unzureichend therapiert geltenden Patienten nachweislich durch den kathetergestützten Aortenklappenersatz gesteigert werden konnte. Ob diese Methode in Zukunft auch bei jüngeren und weniger kranken Patienten einsetzbar ist, wird die Forschung der nächsten 10 Jahre zeigen.