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Medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen

Es gibt eine ganze Reihe von Medikamenten, die bei Herz-Kreislauferkrankungen eingesetzt werden können. Je nach Krankheitsverlauf kann es notwendig werden, dass der Arzt verschiedene Präparate bei Ihnen ausprobiert, da das Ansprechen auf eine Therapie von Patient zu Patient sehr verschieden sein kann. Es gibt keine Möglichkeit, diese Reaktionen auf ein bestimmtes Medikament genau vorherzusagen. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie ein bestimmtes Medikament nicht vertragen, dann besprechen Sie dies umgehend mit Ihrem Arzt. Nur der Arzt kann entscheiden, welche Verwendungsvorschriften im Einzelnen beachtet werden müssen. Dies trifft vor allem dann zu, wenn Sie gleichzeitig mehrere Medikamente einnehmen.

Meistens können Medikamente nur Symptome behandeln. Die Ursache liegt darin, dass es sehr viele verschiedene Störungen gibt, die sich z. B. als Bluthochdruck bemerkbar machen. In den meisten Fällen kann man die Ursache des Bluthochdrucks nicht herausfinden. Durch die medikamentöse Senkung eines zu hohen Blutdrucks kann man allerdings die daraus resultierende Gesundheitsstörung behandeln. Damit sollen Folgereaktionen des Körpers bzw. Folgeerkrankungen unterbrochen werden. So versucht man z. B. durch das Normalisieren des Blutdrucks, die Langzeitschädigung von Gehirn, Herz und Gefäßen zu verhindern oder zumindest zu verzögern.

Die wichtigsten Medikamente bei Herz-Kreislauferkrankungen

Aufgeführt sind jeweils die Substanznamen, die unterhalb des Präparatenamens auf jeder Packung oder auf den Beipackzettel zu finden sind.

Nitrate und Molsidomin

Substanznamen:
Glyceroltrinitrat, Isosorbidinitrat, Isosorbid-5-Mononitrat, Molsidomin.

Anwendungsgebiet:
Die Nitrate und Molsidomin werden vor allem in der Therapie und Vorbeugung der Angina pectoris eingesetzt.

Wirkprinzip:
Nitrate und Molsidomin bewirken eine Gefäßerweiterung, vor allem der Venen. Dadurch versackt eine gewisse Blutmenge im venösen System. Die Folge ist, dass weniger Blut am rechten Herzen ankommt, von wo aus es in die Lungen weitergepumpt werden muss, und schließlich ein schwaches linkes Herz überfordern kann. Durch Reduktion dieses Volumendrucks kann sich ein schwaches oder akut überfordertes Herz rasch wieder erholen. Nitrate, vor allem in Form eines Dosieraerosols (Pumpspray) wirken innerhalb weniger Minuten. Nitrate und Molsidomin entlasten das Herz, wodurch der Sauerstoffverbrauch des Herzens sinkt. Das Engegefühl in der Brust (Angina pectoris) und die Luftnot verschwinden. Leider gewöhnt sich der Körper an die Nitrate, sodass die Wirkung nachlässt. Dies kann durch genügend lange Intervalle zwischen den Einnahmezeiten verhindert werden. Um auch den ganzen Tag ausreichend Schutz vor einer Angina pectoris zu haben, werden die Nitrate häufig mit Molsidomin, Calziumantagonisten oder Betarezeptorenblockern kombiniert.

Nebenwirkungen:
Durch die Gefäßerweiterung kann es bei manchen Patienten zu starken Kopfschmerzen kommen. Durch eine geringere Einzeldosis kann der Kopfschmerz jedoch gemildert werden. Auch die Gabe von sogenannten Langzeitpräparaten (Retard-Präparate) können das Ausmaß der Kopfschmerzen mildern.

Betarezeptorenblocker

Substanznamen:
Die Substanznamen enden fast immer mit -ol. Atenolol, Metoprolol, Pindolol, Propranolol.

Anwendungsgebiete:
Betarezeptorenblocker werden vor allem zur Senkung des Blutdrucks sowie zur Prophylaxe der Angina pectoris eingesetzt. Außerdem finden sie bei bestimmten Formen von Herzrhythmusstörungen Anwendung.

Wirkprinzip:
Bei Stress wird vermehrt das Hormon Adrenalin ausgeschüttet. Dies führt zu einer Steigerung der Herzfrequenz sowie des Blutdrucks. Adrenalin besetzt bestimmte Bindungsstellen (Rezeptoren) in den Gefäßwänden und Organen wie z. B. Herz, Nieren und Lunge. Betarezeptorenblocker blockieren anstelle von Adrenalin diese Bindungsstellen. Dadurch wird die Herzfrequenz sowie der Blutdruck abgesenkt. Außerdem senken Betarezeptorenblocker die Schlagkraft des Herzens und damit auch dessen Sauerstoffbedarf. Angina pectoris-Beschwerden (Engegefühl in der Brust) können dadurch abgeschwächt oder vermieden werden.

Nebenwirkungen:
Der Herzschlag kann vor allem bei vorgeschädigtem Herzen so langsam werden, dass der Blutdruck zu niedrig wird. Dadurch kann es zu einem Gefühl der Abgeschlagenheit und auch Schwindelanfällen kommen. Bei Patienten mit asthmatischen Lungenerkrankungen kann es zu einer Verschlechterung ihrer Atemfunktion kommen. Außerdem kann es zu einem Anstieg des Zucker- und Fettspiegel im Blut kommen. Betarezeptorenblocker dürfen nicht plötzlich und vor allem nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt abgesetzt werden. Durch das plötzliche Absetzen eines Betarezeptorenblockers werden viele Bindungsstellen vor allem am Herz frei, wodurch das Hormon Adrenalin eine starke Blutdrucksteigerung auslösen kann (Rebound-Phänomen). Dadurch kann der Blutdruck sogar höher sein als vor der Einnahme des Betarezeptorenblockers. Dies ist vor allem für Patienten gefährlich, die ein stark vorgeschädigtes Herz haben.

Calziumantagonisten

Substanznamen:
Nifedipin, Verapamil, Diltiazem, Gallopamil, Nimodipin, Nivaldipin.

Anwendungsgebiete:
Die Calciumantagonisten werden zur Prophylaxe der Angina pectoris sowie zur Senkung des Blutdrucks eingesetzt. Außerdem finden sie Anwendung bei bestimmten Formen von Herzrhythmusstörungen.

Wirkprinzip:
Die Calciumantagonisten führen zu einer Gefäßerweiterung und damit zu einem Absinken des erhöhten Widerstands, gegen den das Herz anpumpen muss. Der Blutgefäßdurchmesser wird durch die Muskulatur in der Gefäßwand reguliert. Die Gefäßmuskulatur verengt den Durchmesser, wenn das Calzium in den Muskelzellen ansteigt. Fällt die Konzentration an Calzium ab, entspannt sich die Gefäßmuskulatur. Das Gefäß wird weit. Calciumantagonisten hemmen den Calziumeinstrom in die Zellen. Die entspannende Wirkung der Calciumantagonisten an der Herzmuskelzelle hat zur Folge, dass die Schlagkraft und damit auch der Sauerstoffverbrauch des Herzen reduziert werden. Angina pectoris-Beschwerden können dadurch abgeschwächt oder vermieden werden. Ein weiterer Effekt der Calciumantagonisten ist die Verlangsamung des Reizleitungssystems des Herzens. Dadurch können bestimmte Formen von Herzrhythmusstörungen erfolgreich mit Calciumantagonisten behandelt werden.

Nebenwirkungen:
Vor allem zu Beginn der Therapie mit Calciumantagonisten kann es zu einer Gesichtsrötung mit Hitzegefühl oder Kopfschmerzen kommen. Da auch die Muskulatur des Darmes erschlafft, kann es zu Verstopfungen kommen.

ACE-Hemmer (Angiotensin-Conversions-Enzym-Hemmer)

Substanznamen:
Die Substanznamen enden mit - il. Captopril, Enalapril, Ramipril.

Anwendungsgebiete:
ACE-Hemmer werden zur Senkung eines erhöhten Blutdrucks und zur Behandlung von Herzmuskelschwäche eingesetzt.

Wirkprinzip:
Angiotensin II ist ein Körperhormon, welches einen sehr starken blutdrucksteigernden Effekt hat. Die Unterbrechung der Produktion dieses Hormons durch Hemmung eines Enzyms (Angiotensin-Conversions-Enzym) senkt die Angiotensin II-Konzentration im Körper. Dadurch fällt der Blutdruck ab. Durch die Erweiterung der Arterien, sinkt der Gefäßwiderstand und damit auch der Blutdruck. Das Herz braucht nur noch gegen einen geringeren Widerstand anzupumpen. Deshalb werden die ACE-Hemmer nicht nur zur Senkung eines hohen Blutdrucks eingesetzt, sondern vor allem auch zur Therapie einer Herzmuskelschwäche. Bei einer Herzmuskelschwäche kann der Blutdruck sogar sehr niedrig sein, da das Herz zu schwach ist, um einen angemessenen Blutdruck aufzubauen. Hier helfen die ACE-Hemmer durch die Absenkung des Gefäßwiderstandes. Das Herz wird entlastet und die Pumpfunktion des Herzens wird gesteigert. Dadurch werden alle anderen Organe besser durchblutet. Deshalb kann der Blutdruck bei Patienten mit Herzmuskelschwäche unter der Therapie mit ACE-Hemmern sogar wieder leicht ansteigen.

Nebenwirkungen:
Die häufigste Nebenwirkung ist ein gesundheitlich unbedenklicher ACE-Hemmer-Husten. Nur in sehr seltenen Fällen erfordert der ACE-Hemmer-Husten das Absetzen des Medikaments. In seltenen Fällen kann es unter der Einnahme von ACE-Hemmern zu einer Nesselsucht (Quincke-Ödem) kommen.

Diuretika (wasserausschwemmende Medikamente)

Substanznamen:
Furosemid, Hydrochlorothiazid, Spironolacton, Triamteren.

Anwendungsgebiete:
Diuretika werden vor allem zur Behandlung einer Herzmuskelschwäche sowie zur Senkung des Blutdrucks eingesetzt.

Wirkprinzip:
Diuretika wirken auf die Nieren, in dem sie die Ausscheidung von Blutsalzen (vor allem Natrium) und Wasser fördern. Die sogenannten Schleifendiuretika (z. B. Furosemid) sowie die Thiazid-Diuretika (z. B. Hydrochlorothiazid) führen zusätzlich zu einem Verlust von Kalium und Magnesium. Die sogenannten kaliumsparenden Diuretika (Spironolacton und Triamteren) können andererseits zu einer Steigerung des Blutkaliumwertes führen. Da Kalium und Magnesium für die Funktion des Herzens sehr wichtig sind, müssen die Blutspiegel bei Einnahme von Diuretika regelmäßig kontrolliert werden. Bei zu hohen Verlusten müssen sie ergänzt werden. Diuretika werden vor allem bei Herzmuskelschwäche eingesetzt. Die im Wasser ausschwämmende Wirkung von Diuretika führt dazu, dass das Blutvolumen abnimmt. Dadurch zirkuliert nicht mehr so viel Blut im Kreislauf. Das Herz wird entlastet. Wasseransammlungen in den Beinen sowie in den Lungen werden ausgeschwemmt.

Nebenwirkungen:
Die wasserausschwemmende Wirkung von Diuretika führt zu einer Eindickung des Blutes. Dadurch steigt das Risiko, dass sich in den Blutgefäßen Blutgerinnsel bilden. Neben dem Verlust von Kalium und Magnesium können auch die Fett- und Zuckerwerte im Blut ansteigen.

Digitalis

Substanznamen:
Digoxin, Digitoxin.

Anwendungsgebiet:
Digitalispräparate werden vor allem zur Behandlung von Herzmuskelschwäche sowie bei bestimmten Formen von Herzrhythmusstörungen eingesetzt.

Wirkprinzip:
Digitalispräparate wirken direkt am Herzen, wo sie die Kontraktionskraft steigern. Dadurch kann das Herz mehr Blut auswerfen und den Körper besser mit Blut versorgen. Digitalispräparate werden auch sehr häufig zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen vor allem im Vorhofbereich angewendet. Das Vorhofflimmern und Vorhofflattern führt zu einem sehr schnellen und unregelmäßigen Herzschlag. Die Digitalispräparate sind derzeit die Therapie der Wahl dieser Herzrhythmusstörungen (Tachyarrhythmia absoluta).

Nebenwirkungen:
Manchmal können Übelkeit und Brechreiz auftreten. Digitalispräparate haben einen sehr engen therapeutischen Bereich, das heißt, es ist sehr schwierig, die individuell notwendige Dosierung herauszufinden. Der Hausarzt sollte deshalb in regelmäßigen Abständen den Blutspiegel des Digitalispräparates bestimmen. Bei einer Überdosierung von Digitalispräparaten kann es zu Herzrhythmusstörungen sowie Gelb-Sehen führen.

Fettsenkende Medikamente

Anwendungsgebiete:
Diese Medikamente werden dann eingesetzt wenn trotz diätetischer Therapie die Blutwerte von Cholesterin und der Triglyzeride zu hoch sind.

Fibrate
Substanznamen: Clofibrat, Etofibrat, Henofibrat, Dezafibrat.

Wirkprinzip:
Fibrate wirken, indem sie ein Enzym hemmen, welches der Körper zur Fettsäureproduktion braucht. Außerdem aktivieren sie ein Enzym, das die Fette abbaut. Dadurch senken sie sowohl das Blutcholesterin sowie die Bluttriglyzeride.

Nebenwirkungen:
Fibrate können zu Blähungen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen.

HMG-CoA-Reduktase-Hemmer

Substanznamen:
Levostatin, Mevastatin, Pravastatin, Simvastatin.

Wirkprinzip:
Der Körper produziert etwa 95 Prozent seines Gesamtvorrats an Cholesterin selbst. Das Enzym HMG-CoA-Reduktase spielt bei dieser Produktion eine sehr wichtige Rolle. Die HMG-CoA-Reduktase-Hemmer blockieren die Wirkung dieses Enzyms. Dadurch sinkt der Gehalt an Cholesterin in der Zelle. Die Zelle nimmt Cholesterin aus dem Blut auf, wodurch die Blutcholesterinspiegel abnehmen.

Nebenwirkungen:
Es kann zu Beschwerden im Magen-Darm-Bereich kommen.

Blutgerinnungshemmende Medikamente
Acetylsalicylsäure

Wirkprinzip:
Die eigentlich als schmerz- und fiebersenkendes Medikament verwendete Acetylsalicylsäure hat den Nebeneffekt, dass sie die Blutgerinnung hemmt. Der blutgerinnungshemmende Effekt tritt schon in sehr niedrigen Dosierungen von 100 mg/Tag ein. Bei Risikopatienten kann die Einnahme von Acetylsalicylsäure die Herzinfarktrate senken.

Nebenwirkungen:
Asthmaanfälle oder leichte Magenblutungen sind die häufigsten Unverträglichkeitsreaktionen der Acetylsalicylsäure.

Marcumar

Anwendungsgebiete:
Marcumar muss von Patienten mit einer künstlichen Herzklappe lebenslang eingenommen werden. Bei Vorliegen besonderer Risikofaktoren wie z. B. Vorhofflimmern oder einem großen Vorderwandinfarkt wird es auch als Langzeittherapie gegeben.

Wirkprinzip:
Marcumar blockiert den Stoffwechsel von Vitamin K. Das Vitamin K ist für die Produktion von verschiedenen Blutgerinnungsfaktoren notwendig. Werden diese Blutgerinnungsfaktoren nur in einem geringeren Maße produziert, so kommt es zu einer Verlangsamung der Blutgerinnung.

Nebenwirkungen:
Bereits kleinere Wunden oder Verletzungen können unter einer gerinnungshemmenden Therapie mit Marcumar zu langanhaltenden lebensbedrohlichen Blutungen führen.