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AG Klinische Kardiologie und Intensivmedizin
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AG Klinische Kardiologie und Intensivmedizin

Arbeitsgruppe Prof. Dr. Hannes Reuter

Leitung:
Prof. Dr. Hannes Reuter
Dr. Christoph Adler

 

Wissenschaftliche Schwerpunkte

 

Target Temperature Management (TTM): Temperatur assoziierte Einflüsse auf Hämodynamik und myokardiale Funktion

Der plötzliche Herztod ist nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen weltweit und nur wenige Patienten überleben diese Situation. Die initial erfolgreich reanimierten Patienten wiederum haben eine hohe intrahospitale Sterblichkeit, oder überleben mit schweren neurologischen Folgeschäden, die eine lebenslange Pflegebedürftigkeit nach sich ziehen können. Der Grund sind meist anoxische Hirnschäden, die durch zerebrale Ischämie und anschließende Reperfusionsschäden entstehen. 2002 konnten zwei große multizentrische Studien unter dem Einsatz der milden therapeutischen Hypothermie (MTH) bei diesen Patienten eine Verbesserung der neurologischen Erholung sowie eine geringere Sterblichkeit nachweisen. Hierbei wurden Patienten für 12 – 24 Stunden auf eine Zieltemperatur zwischen 32° und 34°C gekühlt. Beruhend auf den Ergebnissen jüngerer Studien wird die Zieltemperatur jedoch gegenwärtig neu diskutiert. Aktuell wird nach kardiopulmonaler Reanimation ein zielgerichtetes Temperaturmanagent mit einer konstanten Zieltemperatur zwischen 32° und 36° empfohlen. Es ist unklar, ob einzelne Subgruppen möglicherweise von unterschiedlichen Zieltemperaturen profitieren. Unsere Arbeitsgruppe untersucht daher temperaturassoziierte Einflüsse auf den systemischen Kreislauf und die myokardiale Funktion bei Patienten nach kardiopulmonaler Reanimation. Ziel ist es, Mechanismen zu identifizieren über die ein zielgerichtetes Temperaturmanagent Einfluss auf die Sterblichkeit haben kann. Gleichzeitig wird die Wertigkeit etablierter Prognosefaktoren nach erfolgreicher Reanimation bei Patienten unter Hypothermiebehandlung überprüft.

 

Bedeutung des Target Temperature Management (TTM) für die Entstehung inflammatorischer Prozesse und für die Pathogenese des Postreanimationssyndrom

In Kooperation mit der Arbeitsgruppe von Frau Dr. Anna Klinke untersuchen wir auf grundlagenwissenschaftlicher Ebene den Einfluss der milden therapeutischen Hypothermie (MTH) bei Patienten nach Reanimation auf den Verlauf entzündlicher Prozesse und deren Bedeutung bei der Entstehung des Postreanimationssyndroms. Es wird vor allem der Stellenwert der Kühlung und des Wiedererwärmens nach Reanimation für die Aktivierung von Leukozyten untersucht. Es ist bekannt, dass nach Reanimation eine Aktivierung von Leukozyten, im Speziellen von neutrophilen Granulozyten stattfindet. Der Einfluss der Temperatur auf diesen Prozess ist bisher unzureichend verstanden. Eine verminderte Freisetzung granulozytärer proinflammatorischer Proteine wie des Enzyms Myeloperoxidase durch ein kontrolliertes Temperaturmanagent der Patienten könnte sich als positiv in Bezug auf die Reduktion eines Postreanimationssyndrom erweisen. Das Enzym Myeloperoxidase beeinträchtigt bekanntermaßen durch Generierung reaktiv-oxidativer Substanzen die Integrität von Herz- und Gefäßsystem.  So soll das Temperaturmanagent nach Reanimation weiter optimiert und die auftretende Entzündungsreaktion vermindert werden.

 

Bedeutung der Biomarker TIMP-2 und IGFBP-7 für die klinische Bewertung und Therapie der akuten Nierenfunktionsstörung nach kardiopulmonaler Reanimation

Die akute Nierenfunktionsstörung (acute kidney injury, AKI) stellt eine häufige, prognostisch bedeutsame Komplikation bei Patienten nach kardiopulmonaler Reanimation dar. In der Postreanimationsphase können persistierende hypotone Kreislaufverhältnisse sowie unmittelbare Kontrastmittelexposition zur weiterführenden Diagnostik (Linksherzkatheter, Computertomographie), die Entstehung der AKI beeinflussen. Die AKI wird definiert, als plötzliche Abnahme der Nierenfunktion welche durch einen Anstieg des Serumkreatininwertes und/oder eine Abnahme der Urinstundenproduktion gekennzeichnet ist. Anhand dieser etablierten diagnostischen Kriterien, ist eine frühzeitige Identifizierung von Risikopatienten im klinischen Alltag jedoch nur unzureichend möglich. Unsere Arbeitsgruppe untersucht daher die prognostische Wertigkeit der neuen Biomarker Tissue Inhibitor Metalloproteinase 2 (TIMP-2) und Insulin-like Growth Factor Binding Protein 7 (IGFBP-7) im Urin. Es soll überprüft werden, ob sich mit Hilfe dieser Biomarker eine AKI bei Patienten nach kardiopulmonaler Reanimation frühzeitig vorhersagen lässt, und ob dadurch einer drohenden Nierenfunktionsstörung entgegengewirkt werden kann.

 

Prognosefaktoren und Versorgungsstandard von Patienten mit akutem ST-Strecken-Hebungsinfarkt
Die frühe katheterinterventionelle Behandlung von Patienten mit akutem ST-Strecken-Hebungsinfarkt senkt eindeutig deren Morbidität und Mortalität. Entsprechend werden Patienten mit typischen Symptomen und ST-Strecken-Hebungen im EKG leitliniengerecht mit dualer Thrombozytenaggregationshemmung, Vollantikoagulation und ggf. GPIIb/IIIa-Rezeptorantagonisten behandelt und über den Notarzt unmittelbar ins Herzkatheterlabor zur invasiven Therapie übernommen. Im Rahmen des Kölner Infarktmodells wurde seit 2006 eine der größten Datenbanken außerhalb klinischer Studien mit über 4000 Patienten mit akutem ST-Hebungsinfarkt erhoben. Ziel der Arbeitsgruppe ist es, anhand dieses Kollektivs Risikogruppen zu identifizieren, die eine erhöhte Komplikationsrate (Sterblichkeit, Stentthrombosen, Blutungen, u.a.) aufweisen. Zudem werden erstmalig Prognose und Compliance dieses Patientenkollektivs unter alltäglichen Bedingungen über mehrere Jahre verfolgt. Unter epidemiologischen Gesichtspunkten werden somit Implementierungs- und Umsetzungsstrategien von Leitlinien sowie medizinische Effekte einer strukturierten Versorgung überprüft.

 

Ausgewählte Publikationen

Adler C, Pfister R, Baldus S, Reuter H.
Mild therapeutic hypothermia in cardiogenic shock: Retrospective analysis of 80 patients with preclinical cardiac arrest due to cardiac causes.
Med Klin Intensivmed Notfmed. 2015 Dec 17. [Epub ahead of print]

Reuter H, Markhof A, Scholz S, Wegmann S, Seck , Adler C, Michels G, Höpp HW, Baldus S, Pfister R.
Long-term medication adherence in patients with ST-elevation myocardial infarction and primary percutaneous coronary intervention.
Eur J Prev Cardiol 2015;22:890-8.

Wegmann C, Pfister R, Scholz S, Markhof A, Wanke S, Kuhr K, Rudolph T, Baldus S, Reuter H.
Diagnostic value of left bundle branch block in patients with acute myocardial infarction : A prospective analysis.
Herz 2015;40(8):1107-1114.

Huntgeburth M, Adler C, Rosenkranz S, Zobel C, Haupt WF, Dohmen C, Reuter H.
Somatosensory evoked potentials, but not Neuron-specific enolase, are suitable for the prediction of neurological outcome in hypothermia-treated patients with out-of-hospital cardiac arrest.
Neurocritical Care. 2014 Jun; 20(3):358-66.

Adler C, Reuter H, Seck C, Hellmich M, Zobel C.
Fluid therapy and acute kidney injury in cardiogenic shock after cardiac arrest
Resuscitation 2013 Feb; 84(2):194-9.

Zobel C, Adler C, Kranz A, Seck C, Pfister R, Hellmich M, Kochanek M, Reuter H.
Mild therapeutic hypothermia in cardiogenic shock syndrome
Critical Care Medicine 2012. 40(6):1715-1723.